Tracht in Bayern |
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Entwicklung der Tracht. Tracht ist über Jahrhunderte hinweg all das, was die Menschen zum Kirchgang, zur Arbeit auf dem Feld, der Adel bei Hofe, die Handelsleute in ihren Geschäften und der Knecht bei seiner Arbeit getragen hatte. Ebenso die Geistlichkeit und die Nonnen in ihren Kirchen und Klöstern. Schon im 14.Jahrhundert
finden sich Verordnungen, die den Leuten in den verschiedensten Ständen
vorschreiben wollten, welche Kleidung sie zu tragen hätten. Diese Vorschriften betreffen
die Farbe der Tücher, das Matereal der Joppen und Hosen, die Größe und Form der
Schuhe, sogar bis über die Regelung zum Tragen und Aussehen der Unterwäsche. Die
zahlreichen autonomen Herrschaftsgebiete mit eigener Gesetzgebung und
Kleiderordnung begünstigte die Herausbildung vieler unterschiedlicher
Ständetrachten. Die Kleidung zeigte die Herkunft und gesellschaftlicher Stellung seines Trägers. 1626 erlässt Maximilian I eine Kleiderordnung. Dazu teilte er die Bevölkerung Bayerns in sieben Stände ein: z.B. den Bauern verbietet er
aufwendiges Schuhwerk, Der Freiheitsgedanke und die
Auswirkung der französischen Revolution Ende des 18.Jahrhunderts weichen die
Ständegrenzen auf und die Kleidervorschriften verlieren mehr und mehr ihre
Bedeutung. Die neue Mode bestimmt nun das Aussehen, tonangebend ist der Adel
mit seinen internationalen Beziehungen – und das städtische Bürgertum ahmt den
neuen Kleiderstil nach. Die bäuerliche Tracht wiederum orientiert sich an den
bürgerlichen Modetrends. Der Wandel. Während die städtische Mode
eine hohe Geschwindigkeit beim Wandel vorlegt, treten Veränderung in den
ländlichen Gebieten meist mit zeitlicher Verzögerung ein. Dazu kommt die
Vielfältigkeit und Anpassung nach eigenen Bedürfnissen, die neue Formen
entstehen lassen. 1806 versuchte Max I. Joseph,
als er erster Regent des Königreichs Bayerns wird ein Nationalbewusstsein unter
der Bevölkerung für die neue Staatsform zu wecken. Die städtische, vor allem die
Landbevölkerung sollte wieder ihre herkömmliche Tracht anlegen, um damit ihre
Heimatverbundenheit zu demonstrieren. Ursprünglich verstand man
unter Tracht ganz allgemein das „Tragen“ von Kleidung oder die „getragene“
Kleidung selbst. Die städtische sowie die
bäuerliche Kleidung waren dem Wandel der Mode unterworfen. Zu beginn des 19. Jahrhunderts
kam es am bayrischen Hof, aber auch in Wien zu einer regelrechten
Trachtenbegeisterung. Als „bayerische Tracht“ wird
zuallererst die oberbayerische Gebirgstracht verstanden, mit der Lederhose für
den Buam und dem Dirndl für das Madl. Diese Gebirgstracht wurde durch
Trachtenvereine und Arbeitsmigration auch außerhalb der Bergregionen heimisch. Heute unterscheiden wir sechs
Typen von Gebirgstrachten: ·
Miesbacher
Tracht ·
Werdenfelser
Tracht ·
Inntaler
Tracht ·
Chiemgauer
Tracht ·
Berchtesgadener
Tracht ·
Isarwinkler
Tracht In den letzten Jahrzehnten wurde
in vielen Gegenden Bayerns nicht nur die oberbayerische Gebirgstracht gepflegt,
sondern auch versucht die Alttracht, die erneuerte Tracht sowie die Historische
Tracht und die lokalen Trachten und Eigenheiten am Leben zu erhalten. Der Archivar der bayerischen
Ständeversammlung Lipowsky brachte 1830 eine „Sammlung Bayerischen Nationalkostüme“
heraus und immer wieder versuchten auch staatliche Stellen, die Nationaltrachten
zu erhalten. So am 1. Juli 1853 mit dem Schreiben des Präsidiums der kgl.
Regierung von Oberbayern zur „Hebung des Nationalgefühls, insbesondere der
Landestrachten“ ein Wertegefühl zu vermitteln. Daraufhin kam es am 4. April
1859 zur Anmeldung der „Gesellschaft Gemütlichkeit“ in Miesbach, dem Vorläufer
des 1884 gegründeten Trachtenvereins Miesbach. „Wisst’s wos,
gründ ma an Verein!“ verkündete 1883
an einem Stammtisch in Bayrischzell der Lehrer Josef Vogel seiner Gesinnung zur
Trachterhaltung. Seine Stammtischbrüder stimmten dem Lehrer Vogel zu, als er
sein Bedauern darüber zum Ausdruck brachte, dass die kurze Lederhose immer mehr
aus dem Alltagsbild verschwindet. Man machte sich darauf hin zur Ausarbeitung
einiger Statuten an die Arbeit. Der Zweck des „Vereins für
Erhaltung der Volkstracht im Leitzachtaler/Bayrischzell“ wird mit der Hebung
und Förderung der Vaterlandsliebe, Wiederauffrischung der Volkstracht,
Neubelebung des Volksgesanges und der geselligen, untadelhaften Unterhaltung
festgeschrieben. Er gründete am 25.August 1883
zusammen mit anderen Burschen den ersten Gebirgstrachten - Erhaltungsverein Im Sommer 1884 findet der
Antrag auf Vereinsgründung die Zustimmung und das Wohlwollen des bayerischen
Königshauses. Der Lehrer Vogel wird zum
Vorsitzenden gewählt und somit nimmt die bayerische Trachtenbewegung ihren
unaufhaltsamen Lauf bis in die heutige Zeit. Als Trachtler kann und will
man provozieren. Die „Kurze“ galt in den Augen
der Geistlichkeit und einigen Mitbürgern als unsittlich. So waren wohlhabende
Bauern und der Kirche nahe Stehende kaum in den Vereinen vertreten. Noch bis
zum Ende des Ersten Weltkrieges wurde keine Vereinsfahne von der Kirche geweiht. 1890 gab es 15
Trachtenvereine die sich auf Anregung von Thomas Bacher in Bad Feilnbach zum
Gauverband I zusammenschlossen und somit war die erste Dachorganisation der
Trachtenvereine gegründet. Einer der prominentesten
Trachtenpfleger war Prinzregent Luitpold von Bayern, der Nachfolger von Ludwig
II. Er war ebenso wie der österreichische Kaiser Franz Joseph II. bei der Jagd
oft in der kurzen Lederhose, bei Kälte mit langer weißer Unterhose zu sehen. Im Jahre 1909 wurde der
Landesverband Bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine gegründet. Nach dem zweiten Weltkrieg
waren die Trachtenvereine weiter lebendig und so wurden am 25.Oktober1925 die
„Vereinigten Trachtenverbände des bayerischen Oberlandes“ im Hackerkeller in
München gegründet. (heute: Bayerischer Trachtenverband e.V.) Er umfasste 10
Gründungsgauverbände zusammen mit 303 Vereinen und 19135 Mitgliedern. Kurz nach der Wiederzulassung
der Trachtenvereine 1948 gab es 500 Trachtenvereine mit rund 45000 Mitgliedern. 2002 vereinigten sich die
beiden Landes-Trachtenvereine durch Verschmelzung zum Bayerischen
Trachtenverband. Tracht heute Heute wird in Bayern die
Tracht meist nicht als Alltagskleidung getragen. Bei Volksfesten, in den
Vereinen, zu festlichen Gelegenheiten, Familienfeiern und Hochzeiten ist sie
aber weiterhin lebendig und erfreut sich ständiger Zunahme. Leider auch mit
negativen Auswüchsen wie die modischen Landhaus- und Oktoberfestkleidungen, die
mit einer Tracht nichts zu tun haben. Die richtige Tracht
vermittelt ein Heimatgefühl und eine enge Verbundenheit mit unserer bayerischen
Lebenskultur. Joachim Scholz - Brauchtumswart – Trachtenverein D’Kranzbergler München |
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