Maibaum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Brauch des Maibaum aufstellens stammt im Grunde aus einer Zeit, in der Bäume wie Götter verehrt wurden.

Der Maibaum hat seinen Ursprung im Weltenbaum, dem Urbaum, der seit jeher Himmel und Erde miteinander verbindet. Der Weltenbaum symbolisiert Fruchtbarkeit und Leben und wurde über Jahrhunderte hinweg als Urmutter der Menschheit verehrt. Zwischen Mensch und Baum bestand schon immer eine tiefe Verbundenheit.

Der Maibaum, wie wir ihn heute kennen, findet sich in abgewandelter Form in der Antike wider.

Von Ägypten über Indien, Amerika und dem asiatischen Raum findet man Darstellungen aus dieser Zeit in denen mit Zweigen und Girlanden umwundene Holzstäbe, als Fruchtbarkeits-Symbol abgebildet sind.

Verbreitung und Symbolik

Mittelzeltstange  bei der Jurte in Asien.

Totempfahl bei den Indianern Amerikas z. Bsp., Sonnentanz der Präriebewohner um einen geschmückten Pfahl.

Bei den Wikingern wurde der mit Blumen geschmückte Thorsbaum am Vorabend zum Maibeginn aufgestellt.

Der Maibaum hat auch die kultische Bedeutung eines Riesenphallus und die an der Spitze angebrachten Maikränze versinnbildlichen die Vulva der Frau mit den eingeflochtenen Heilpflanzen und frischen Zweigen das Symbol für Gesundheit und neuem Leben.

Die Umsetzung solcher Symbolik des Baumes gab es auch in Stein den Menhir in der Kultur der Steinbauer, sowie den Obelisk in Altägypten.

Seit dem 13. Jahrhundert ist der Maibaum – Brauch in Deutschland bekannt und historisch belegt – als Sinnbild für den Frühling. Der Maibaum sollte den Dorfbewohnern Glück bringen und galt als Schutzbaum für den ganzen Ort. Heute dient die> lange schlanke Stange< im Grunde nur noch als Zierde und ist besonders in Bayern eine Art Nationalsymbol geworden.

Die Bräuche, die sich um den Maibaum immer noch ranken, stammen ausnahmslos aus der „guten alten Zeit“ sind somit heidnischen Ursprungs.

Im ausgehenden 18.Jahrhundert entwickelte sich der Maibaum zu einem Symbol des neuen Staats- und Selbstbewusstsein, denn die freien Gemeinden sahen in ihm ein Zeichen der erlangten bürgerlichen Selbstständigkeit innerhalb des von Minister Montgelas geschaffenen Staatsgebildes. Das wollten auch die Zeichen der Handwerker sowie von Kirche und Rathaus ausdrücken. Daher durften nur freie Gemeinden und Städte einen Maibaum aufstellen.

Im Maibaum, finden der Zusammenhalt und auch der Wohlstand eines Ortes einen sichtbaren Ausdruck.

Regional verschieden sind die Maibäume,

·        mache sind Naturbelassen mit grünem Wipfel und mit frischen Tannengirlanden umwickelt

·        andere nur mit Grüner Krone aber geschältem Stamm

·        andere sind entrindet mit Kränzen und mit Handwerkerzeichen versehen und der Stamm blau-weiß  von rechts nach links angestrichen.

·        Der kleine grüne Wipfel symbolisiert die göttliche Kraft, in ihm sitzen die guten Geister und auch der Naturkranz ist ein zusätzliches Symbol der Fruchtbarkeit.

Maibaum und Brauch:

30 bis manchmal 40 Meter hoch sind die Maibäume, es werden nur gerade Fichtenstämme genommen, die schon lange vorher ausgesucht werden. Beim Baumfällen darf der Wipfel nicht abbrechen. Regional verschieden werden die Bäume geschmückt und bearbeitet

Das Schäpsen, wie das Entrinden genannt wird, wird durch die Burschen der Ortschaft getätigt und dann von den Frauen geschmückt.

Früher durfte der Maibaum grundsätzlich erst in der Walpurgisnacht oder in den frühen Morgenstunden des 1. Mai’s geschlagen werden  und musste sofort entrindet, also geschäpst werden, weil man glaubte das zwischen dem Holz und der Rinde kleine vorwitzige Geister hausen.

Nur in der Walpurgisnacht durfte der Maibaum gestohlen werden. Bevor dieser in der nähe der Kirche oder Dorfplatz mit langen Stangen den sogenannten Schwaiberln (Scherstangen) und Muskelkraft aufgestellt wurde.

Gestohlen werden darf nur ein >herausgeputzter< Baum und er muss innerhalb des Ortes liegen.

Einen geklauten Baum nennt man bis zur Auslösung > Schandbaum<, denn dieser muss nach alter Sitte mit reichlich Bier und deftiger Brotzeit ausgelöst werden. Wird der Baum nicht ausgelöst, so wird er neben dem eigenen Maibaum der Diebe aufgestellt  und nach einigen Wochen zersägt und die einzelnen Holzstücke werden meistbietend versteigert.

Steht der Maibaum endlich an seinem rechten Fleck, so wird mancher Orts beim Baumkraxeln, an dem mit Schmierseife eingeriebenen Stamm, die Geschicklichkeit der männlichen Dorfjugend auf die Probe gestellt. Dann wird endlich getanzt.

Für den sogenannten Bandltanz um den Maibaum herum nehmen die Tänzer bunte, geflochtene Bänder auf, die am Baum befestigt sind. Gemeinsam umkreist man den Baum, so sollen böse Geister abgewehrt und die Guten aufgefordert werden, im Inneren des Kreises Schutz zu suchen.

Beim Tanz und dem Verknüpfen der Bänder wird auch das Verhältnis der Geschlechter untereinander als erotisches Symbol sowie auch die Verknüpfung der drei Welten Himmel, Erde und Unterwelt symbolisiert.

Früher standen die Bäume höchsten ein paar Tage, dann wurden sie vorsichtig umgelegt und in ein Wasserbad gelegt um den Baum im nächsten Jahr wieder aufzustellen, oder er blieb solange stehen bis das Grünzeug verdorrt war.

Das ist heute anderes:

In manchen Orten steht der Maibaum exakt ein Jahr, woanders wechselt man Alt gegen Neu in einem Rhythmus von zwei, drei Jahren aus. Länger als fünf Jahre steht ein Maibaum allerdings sehr selten.

Joachim Scholz - Brauchtumswart – Trachtenverein  D’Kranzbergler München